Schlossbergstiege

23.10.18 / Postcards from Graz
A staircase zigzags up to the ruins of the mountain-top fortress

Schloßbergstiege, Graz, ca. 1918–1925. © Postcard collection GrazMuseum Online

[DE] Mitten in Graz führt im Zickzack eine steile Stiege hinauf zur Festungsruine auf dem Schloßberg. Ihre massiven, gemauerten Bögen lassen vermuten, dass sie Teil einer ausgeklügelten Verteidigungsanlage gewesen sein könnte, und die vielen Stiegenabsätze, von denen aus man immer neue, leicht verschiedene Ausblicke auf Stadt und Landschaft genießt, ähneln den pittoresk angelegten Aussichtspunkten entlang der Alpenwanderwege – wenngleich die Verbindung zwischen Graz und den Alpen rein gedanklicher Natur ist. Die Bauarbeiten an der in den Fels gehauenen Stiege begannen zum ungünstigsten möglichen Zeitpunkt: nämlich 1914, als auch in Graz erste Folgen des Weltkriegs spürbar wurden. Wegen ihrer relativen Nähe zur Balkanfront erlebte die Stadt einen großen Zustrom von Geflüchteten und Verwundeten, zugleich wurde ein Teil der männlichen Bevölkerung zum Kriegsdienst eingezogen oder ging freiwillig an die Front. Um einen Schein von unbeschwertem Leben und die Moral an der Heimatfront aufrechtzuerhalten, beschloss der Gemeinderat, Pläne aus der Vorkriegszeit für den Bau der aufwändigen Stiege voranzutreiben – mit ihren vielen Zwischenebenen bis hinauf zur romantischen Ruine auf dem Schloßberg. Obwohl der Steig keinerlei militärische Funktion hatte, wurde er zunächst von österreichischen Pionieren und später von russischen Kriegsgefangenen gebaut, deren große Zahl die Behörden nach Kriegsende beunruhigte, weil sich unter ihnen revolutionäre Gesinnung verbreitet hatte. Die im Volksmund „Russensteig“ genannte Stiege wurde daher offiziell in „Kriegssteig“ umbenannt und heißt bis heute so, obwohl es seit 1984 immer wieder Anläufe gab, sie in „Friedenssteig“ umzubenennen.

[EN] A staircase zigzags up to the ruins of the mountain-top fortress of the Schloßberg in the middle of Graz. While its arched casements suggest that it may have been part of some elaborate system of defenses, the stairway’s many landings resemble the picturesque stopping points of leisurely alpine tourism—imagined in non-alpine Graz—offering views of the landscape from slightly different angles. Construction on the rock-hewn staircase began at the worst possible time, in 1914, just as Graz was feeling the early effects of World War I. Relatively close to the front line in the Balkans, the city was flooded with refugees and wounded, while a portion of the male population was drafted for service or volunteered. To keep up appearances and morale, the city government decided to press on with pre-war plans for an elaborate multilevel stairwell leading up to the romantic ruins atop the Schloßberg. Though the stairs served no military purpose, they were built by Austrian sappers and later Russian POWs, whose great number aroused fears on the part of the authorities after the war, given the widespread revolutionary sentiment among their ranks. Commonly known as the “Russian Steps,” the staircase was named Kriegssteig (War Steps) and officially retains this name until this day, although since 1984 local voices have been calling for it to be renamed Friedenssteig (Peace Steps).


Excerpt from: Postcards from Graz, ed. Ekaterina Degot and David Riff (Graz, 2018), 35

“Schloßbergstiege” is one of the places in Graz that inspired Volksfronten, the core program of this year’s steirischer herbst. Some of them host art works, some do not, but all tell complex stories, which we want to share with you.