Volksfronten

Symposion über Fotografie XXI: Die Gewalt der Bilder

„Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen,“ sagte Österreichs heutiger Bundeskanzler Sebastian Kurz bereits 2016. Er bezog sich auf Geflüchtete an der griechisch-mazedonischen Grenze, die namenlos, anonym, depersonalisiert, gestrandet und ihres Existenzrechts beraubt abgebildet wurden. Heute scheinen derart gewalttätige Bilder nichts Besonderes mehr zu sein. Der Zustand der Krise, in dem sich zahllose Gesellschaften seit langem mit unterschiedlicher Intensität und aus unterschiedlichen Gründen befinden, hat zu einer Flut von Bildern geführt – manche davon hässlich, andere wiederum schön –, die Gewalt zeigen, wobei diese Bilder selbst implizit gewalttätig sind. Diese Gewalt der Bilder besteht in der Eingrenzung von Sichtbarkeit und Bedeutung fort. Gewisse (ideologische) Konventionen, die sowohl materiell wie symbolisch sind, bestimmen, wie sich diese Bilder aufteilen, verteilen, einschreiben, wie sie Dinge unsichtbar werden lassen und wie sie eine Wahrheit aufdecken – eine Wahrheit, die eine der Gewalt ist. Solche Bilder und ihre Gewalt stehen im Fokus des Symposions über Fotografie XXI, einer Kooperation von Camera Austria und steirischer herbst. Theoretiker*innen und Künstler*innen gehen der Frage nach, wie man solche gewalttätigen Bilder vor dem Hintergrund eines dysfunktionalen politischen Terrains und einer neokolonialen Weltordnung verstehen und ihnen entgegenwirken kann. Vermag die Empörung, die diese Bilder auslösen, die gewaltsamen Risse in der Politik selbst zum Ausdruck zu bringen, die einer anderen Sprache, andersgearteter Bedeutung und eines neuen Ansatzes bedarf?

5.10., 16:00–20:00
6.10., 14:00–20:00

Camera Austria
Kunsthaus Graz
Lendkai 1
8020 Graz

Google Maps

Englisch

Freier Eintritt

Mit:
Christine Frisinghelli
Marina Gržinić
Ana Hoffner 
Tom Holert
Jakub Majmurek
Guy Mannes-Abbott
Ines Schaber
Ana Teixeira Pinto 
Ala Younis

Eine Kollaboration von Camera Austria und steirischer herbst

Christine Frisinghelli ist Mitbegründerin von Camera Austria und der Zeitschrift Camera Austria International. Sie lebt in Graz.

Marina Gržinić ist Künstlerin und unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste, Wien. Sie lebt in Wien und Ljubljana.

Ana Hoffner beschäftigt sich mit einer Kunstpraxis, die Krisen- und Konfliktmomente der jüngeren Geschichte neu aufarbeitet. Ihr Buch The Queerness of Memory erschien 2018 bei b_books Berlin. Sie lebt in Wien.

Tom Holert ist Kunsthistoriker und Kulturkritiker. Zuletzt kuratierte er die Ausstellung Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930 im HKW, Berlin. Er lebt in Berlin.

Jakub Majmurek ist Philosoph, Filmexperte und politischer Kolumnist. Er lebt in Warschau.

Guy Mannes-Abbott ist Autor, Essayist und Kritiker. Er lebt in London.

Ines Schaber ist Künstlerin und unterrichtet am California Institute of the Arts, Valencia. Sie lebt in Los Angeles und Berlin.

Ana Teixeira Pinto ist Autorin und Kulturtheoretikerin und unterrichtet an der Universität der Künste, Berlin. Sie lebt in Berlin.

Ala Younis ist Künstlerin und Mitbegründerin der Publikationsplattform Kayfa ta. Sie lebt in Amman.