Grazer Kunstverein
Tom Burr
Paul
Ausstellung
Tom Burr, 2025, mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Galerie Neu, Berlin
In Paul setzt sich Tom Burr mit Pier Paolo Pasolinis unverwirklichtem Film über den Apostel Paulus auseinander. Das Drehbuch von 1966 zeigt diesen nicht in Gewändern im Wüstenstaub. Pasolinis Paulus durchschreitet im Trenchcoat die schroffen Geometrien von Paris, Rom, Genf und New York. Er ist ein Mann, der vom Licht, von der Offenbarung und der unerträglichen Last, zu viel und zu klar zu sehen, zerstört wird.
Burr nimmt sich dieser Figur nicht als Heiliger oder Märtyrer an, sondern als Gefäß des Bruchs, der Sehnsucht und der Orientierungslosigkeit. Er stellt Paulus’ Erblindung auf der Straße nach Damaskus als gewaltsames Loslösen von der Gewissheit, vom staatlich sanktionierten Glauben und den geraden Linien der Macht skulptural und installativ dar. Paul arbeitet mit der Unvollständigkeit als kreativem Zustand, als Möglichkeit, sich anhand von unfertigen Ideen, spekulativen Formen und geerbten Fragmenten vorwärtszubewegen. In diesem Schwebezustand wird Paul zu einem spukenden Spiegelbild, zu einer Form des Ungehorsams, der nicht verschwinden will. Hier bedeutet Rückschlag auch einen Neuanfang.
Eine Kooperation im Rahmen des steirischen herbst ’25