In seinem Vortrag fragt sich Aaron Schuster, ob die Lust als Phänomen und Begriff eigentlich eine Geschichte hat. Die Frage kommt nicht von ungefähr. Wie viele Denker bemerkt haben, vergeht zwar die Zeit, die Lust aber bleibt dieselbe. Aldous Huxley beschwerte sich in seinem Essay Wanted: A New Pleasure über die Monotonie der Lust im Laufe der Geschichte und bemängelte das Fehlen jeglicher Neuheit oder jeglichen Erfindungsreichtums. Ähnliches findet man bei Jacques Lacan, der es als kulturelles Versagen wertet, keine neue Perversion zu erfinden. Sigmund Freund wiederum wies auf eine interessante Spannung im deutschen Wort Lust hin, welches sowohl Begehren als auch Befriedigung bedeutet. Diese linguistische Besonderheit nutzt Schuster in seinem Vortrag als Ausgangspunkt für eine neue Sicht auf die Geschichte der Lust, verstanden als Entwicklung oder Erarbeitung möglicher Wechselbeziehungen zwischen Begehren und Befriedigung. Diese Geschichte vereinigt verschiedene kulturelle Ausformungen von Lust bis hin zu zeitgenössischen Formen des Hedonismus, sie beinhaltet aber auch ein „Ende“ im kulminierenden Moment „absoluter Lust“. Welche ultimative Form kann Lust annehmen? Dies ist die Frage, der sich Schuster in seinem Vortrag annimmt.


Aaron Schuster (1974 in Seattle) ist Philosoph und Schriftsteller. Publiziert hat er über Themen wie die Philosophie des Kitzelns, die Geschichte des Schwebens, der Anti-Sexualität, des Genusses und des Sich-Beschwerens. Als Autor und Dramaturg hat er in Zusammenarbeit mit Künstler*innen zahlreiche Projekte entwickelt. Aaron Schuster lebt in Amsterdam.

12.10.19, 16:00

Dauer: 60 min.

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Eintritt frei