Dem „Habsburgischen Mythos“ zufolge soll die österreichische Literatur über das Jahr 1945 hinaus im Trauma des Zusammenbruchs der Donaumonarchie verfangen sein. Viele Merkmale, die man der österreichischen Literatur bis heute zuschreibt, finden in dieser These Platz: Ein Unwille, sich mit der aktuellen politischen Situation oder der jüngeren Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine Abkehr vom realistischen Erzählen bei gleichzeitiger Neigung zu avantgardistischen Verfahren und Selbstreflexion. Eine spezifische Art und Weise des literarischen Ausdrucks, der zwischen Ernst und Ironie liegt und jenseits der Landesgrenzen nur schwer zu verstehen ist. Haben diese Klischees jemals gestimmt? Oder war die Rede von den Seltsamkeiten der österreichischen Literatur und Kultur bis hin zu der weithin wahrgenommenen Ausstellung „Austria im Rosennetz“ (1996) nur eine Marketingstrategie, mit der es ab Beginn der 1970er-Jahre gelang, österreichische Autor*innen auf dem bundesdeutschen Markt zu etablieren? Die Grazer Szene spielte in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle.

Dieses Festival befragt das Funktionieren der Weltmaschine : Österreich und ist dabei selbst wie eine Maschine gebaut. Der zeitgenössischen österreichischen Literatur werden kleine Teile entnommen und in einen funktionalen Zusammenhang gebracht. Das Ding dreht sich und soll nie mehr zum Stillstand kommen. Diese Intention verfolgte auch der steirische Bauer Franz Gsellmann, der über Jahrzehnte hinweg an einem Ding arbeitete, das später als Weltmaschine bezeichnet wurde. Getragen war die ganze Anstrengung von der Hoffnung, eines Morgens an dieser Maschine etwas zu finden, das sie in seiner Abwesenheit völlig allein produziert hätte.


3.10., 9:00–16:30
Exkursion zur Wohnung von Marianne Fritz in Wien

3.10., 18:00
Geführte Besichtigung The Life and Adventures of GL (2019)

3.10., 19:00
Gesprächsrunde
Grand Hotel Abgrund. Mit Georg Lukács zu Karl Kraus
Mit György Dalos, Wolfgang Müller-Funk, Katharina Prager, Franz Schuh
Einführende Worte: Klaus Kastberger, Ekaterina Degot und David Riff
Moderation: Daniela Strigl

3.10., 21:00
Boris Ondreička, The Abyss (2019)
Performance

4.10., 14:00–17:00
Exkursion zu Gsellmanns Weltmaschine in der Südoststeiermark

4.10., 18:00
Gsellmanns Weltmaschine

4.10., 20:00
Gesprächsrunde Weltmaschine Österreich
Mit Wiebke Porombka, Daniela Strigl, Philipp Theisohn und Daniel Wisser
Moderation: Klaus Kastberger

5.10., 15:00
Weltmaschine Graz

5.10., 17:00, 18:00–19:30
Akademie des Verschwindens

17:00 Start Materialtransport im Literaturhaus
18:00–19:30 Abschlussveranstaltung im Forum Stadtpark

30.9.–5.10., jeweils 10:00–17:00
3.10. geschlossen
Akademie des Verschwindens
Literaturhaus Graz, Projektraum, Parterre

5.10., 20:00
Roboter mit Senf
Die Literaturshow

3.– 5.10.19

Konzeption: Klaus Kastberger

Installation The Life and Adventures of GL: Ekaterina Degot und David Riff mit Lívia Páldi

Literaturhaus Graz
Elisabethstraße 30
8010 Graz
♿ Zugänglich für Rollstühle
http://www.literaturhaus-graz.at

Google Maps

Verlängerte Öffnungszeiten an Veranstaltungstagen im Literaturhaus: 10:00–19:00

Soweit nicht anders angegeben, finden alle Veranstaltungen in deutscher Sprache statt.

Eintritt frei mit Festival-Pass
Garantierte Plätze nur nach Anmeldung über www.literaturhaus-graz.at bei der jeweiligen Veranstaltung

Lange Nacht der Museen:
5.10., 18:00–1:00
Eintritt ausschließlich mit Lange Nacht der Museen-Ticket