Christof Ressi
Avatara

Oper

Der Wunsch, den eigenen Körper zu verlassen und eine andere physische Form anzunehmen, ist ein Archetyp, der sich durch alle Epochen und Kulturen zieht. Er spiegelt sich in den zahlreichen Legenden von Göttern, Geistern und anderen Wesen, die ihre Gestalt beliebig ändern können, und erstreckt sich von der griechischen Mythologie bis zur zeitgenössischen Fantasy-Literatur.

Mit der Entwicklung interaktiver digitaler Medien wurde diese Utopie zur (virtuellen) Realität: User:innen gestalten ihre Avatare oft nicht anhand ihres realen Aussehens, sondern schlüpfen lieber in die Körper von Superhelden, Fabelwesen, Tieren, Pflanzen oder Maschinen. Dies erlaubt den Menschen, die Beschränkungen des eigenen Körpers, Alters und biologischen Geschlechts – zumindest vorübergehend – zu überwinden und eine Identität anzunehmen, die den ureigensten Wünschen und Fantasien entspricht. Gleichzeitig versuchen Großunternehmen die Versprechungen der virtuellen Realität in lukrative Geschäftsmodelle umzuwandeln und entwerfen das Metaverse als futuristisches Großraumbüro, eskapistische Wohnzimmerkulisse oder immersive Shoppingmall.

Im Zentrum der Oper Avatara steht die Frage nach dem Wesen der menschlichen Identität im Spannungsfeld zwischen physischer und virtueller Realität. Zwei namen-, alters- und geschlechtslose Personen befinden sich in unterschiedlichen virtuellen Welten, die auf merkwürdige Weise miteinander verbunden scheinen. Durch Zufall (oder Schicksal?) werden sie einander für kurze Zeit gewahr und verlassen ihre vertraute Umgebung, um in einer Irrfahrt durch Raum und Zeit zu ihrem Gegenüber – und damit zu sich selbst – zu finden.

9.10., 19:30

MUMUTH (György-Ligeti-Saal), Haus für Musik und Musiktheater der Kunstuniversität Graz (KUG)
Lichtenfelsgasse 14
8010 Graz
♿ Zugänglich für Rollstühle

22/11 Euro

Uraufführung

Inszenierung: Krzysztof Garbaczewski
Musikalische Leitung: Wolfgang Hattinger
Bühne und Kostüme: Yunnai Zhang
Human Computer Interaction Design: Alisa Kobzar
KUG-Studierende von PPCM Instrumental – Einstudierung: Dimitrios Polisoidis 
KUG Studierende von PPCM Vokal – Einstudierung: Holger Falk

Uraufführung des Preisträgerwerkes des 8. Internationalen Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerbs des Landes Steiermark an der Kunstuniversität Graz

In Kooperation mit dem ORF musikprotokoll

Weitere Aufführungen im Rahmen von abo@MUMUTH am 10. und 12.10.22 jeweils um 18:00