Maya Deren

Meshes of the Afternoon (1943)

„Wo ist die Tür? Ich kann mich nicht daran erinnern, eine Treppe hinaufgestiegen zu sein … Jemand hat die Häuser in der Straße ausgetauscht.“ So beschreibt Maya Deren das Gefühl, das einen bei ihrem Kurzfilmklassiker – einem der ersten amerikanischen Experimentalfilme einer Frau – beschleicht. Der hier als kuratorische Intervention gezeigte Ausschnitt demonstriert, wie der häusliche Raum aus den Fugen gerät und sich in ein unheimliches Schlachtfeld von mysteriösen Kräften und Verfolgungswahn verwandelt. Schon als die Künstlerin die Treppe zu ihrem puppenhausartigen kalifornischen Zuhause hinaufsteigt, wird klar, dass etwas nicht stimmt. Jeder Schritt nach oben führt nicht zu einem Zufluchtsort, sondern tiefer in verdoppelte Spiegelungen, subtile Paranoia und eine Konfrontation mit dem eigenen gespaltenen Selbst. Was als sonnendurchfluteter, erotischer Nachmittagstraum beginnt, verwandelt sich schnell in einen Albtraum.

Maya Deren (1917, Kyjiw, Russisches Kaiserreich–1961, New York, USA) war eine Filmemacherin und -theoretikerin. Ihre experimentellen Kurzfilme wie Meshes of the Afternoon (1943), At Land (1944), A Study in Choreography for Camera (1945), Ritual in Transfigured Time (1946) und Meditation on Violence (1948) zählen zu den Klassikern des Avantgardekinos des 20. Jahrhunderts.