Jaro Varga

In Somebody Else’s Library (2026)

Den Schutz- und Buchumschlägen in Jaro Vargas Bibliothek ist etwas zugestoßen. Sie wurden alle ganz oder teilweise durch Slogans und Ausrufe ersetzt, wie man sie an Mauern oder Fassaden und in öffentlichen Toiletten findet. Wie jede größere Bibliothek ihrer Generation zeichnet diese Sammlung den typischen Zickzackkurs der osteuropäischen Intellektuellen seit den 1990er-Jahren nach, der von einer Faszination mit Poststrukturalismus hin zu radikaler politischer Theorie und all den Enttäuschungen führte, die diese mit sich bringen kann.

In seiner Installation In Somebody Else’s Library überschreibt Varga die Bände mit seinem Archiv von Straßen-Graffiti und verwandelt sie so in Randnotizen. Der Raum ist ein bewohntes Arbeitszimmer, aber kein sicherer Rückzugsort mehr. Die rauen Stimmen der Straße dringen durch die hochtheoretischen Texte hindurch und beweisen, dass jeder Rückzug aus der Politik stets eine Illusion war. In diesem Skriptorium laufen die Ränder über die Seite.

Jaro Varga (1982, Trebišov, Slowakei) ist Künstler und Kurator, dessen Arbeit sich mit geopolitischer Topografie, der Produktion und Archivierung von Wissen sowie vergessener Geschichte auseinandersetzt. Er hat in Einzel- und Gruppenausstellungen ausgestellt, unter anderem bei: Museu Tàpies, Barcelona; Museu Picasso de Barcelona; Triennial Kortrijk 2021; SEFO 2021 Triennial, Olmütz; Ludwig Museum, Budapest; The National Museum of Modern and Contemporary Art, Korea, Seoul, und 6. Prager Biennale. Varga war Artist-in-Residence bei der Delfina Foundation, London und im Quartier21, Wien. Er lebt in Prag.

In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst ’26
Mit freundlicher Unterstützung von Slowakisches Institut in Wien


Vermittlungsangebot
15.10., 16:00–19:00
Workshop mit Jaro Varga