Rawan Almukhtar

The Witnessing Archive (2010)

Als US-Truppen in Bagdad Rawan Almukhtars Kamera beschlagnahmten, begann er, auf Transparentpapier zu zeichnen. In der Serie The Witnessing Archive stellt der Künstler Orte dar, die von der zwölfjährigen US-Besatzung des Irak gezeichnet sind. Militäraktionen, Verhaftungen und Feuergefechte hinterließen bleibende Spuren, die oft verborgen oder vergessen und nur äußerst selten dokumentiert wurden. Alles, was man sieht, ist die neue Normalität aus Checkpoints, Scharfschützenposten, Stacheldraht und Sprengschutzmauern.

In Ermangelung fotografischer Beweise werden die Zeichnungen auch zu einer Form des Selbstschutzes, zu einer Möglichkeit, inmitten einer andauernden Katastrophe zu sich selbst zurückzufinden. Vor den Erkerfenstern am Griesplatz 34 aufgehängt, blicken Almukhtars Arbeiten auf den diversesten Grazer Stadtteil, den Rechte gerne als No-go-Area verunglimpfen.

Rawan Almukhtar (1991, Bagdad, Irak) ist ein Künstler, der vorwiegend mit Zeichnung und Malerei arbeitet. Sein Werk ist stark von seinem politischen Aktivismus geprägt und dreht sich häufig um Themen wie Migration, Identität und staatliche Gewalt, wobei er sowohl eigene Erfahrungen als auch übergeordnete gesellschaftliche Probleme reflektiert. Seine Arbeiten wurden unter anderem in der Kunsthalle Wien, im Queer Museum Vienna und im Belvedere 21, Wien, gezeigt. Almukhtar war 2022 und 2024 für den Belvedere Art Award nominiert, stand 2023 auf der Shortlist für den Exile Visual Arts Award und erhielt 2024 den Kunsthalle Wien Preis. Er lebt in Wien.