Zhanna Kadyrova

Harmless War (2022)

Nach außen hin wiederholen die Skulpturen von Zhanna Kadyrova klassische postminimale Formen. Hergestellt wurden sie allerdings aus Materialien, die direkt aus der Ukraine stammen und bei den anhaltenden Kämpfen und Raketenangriffen dort beschädigt wurden. Der Form eines generischen Kunstwerks angepasst, wurden sie glasiert, lackiert und poliert, sodass von den verrosteten und zerstörten Oberflächen, die ein Kriegsgebiet kennzeichnen, nur wenig übrig bleibt. Das Spezifische geht verloren zugunsten einer anonymen, im Grunde hohlen theatralischen Form.

Kadyrova reflektiert damit, wie der Krieg beiseitegeschoben und normalisiert wird – so wie es jetzt im Westen, nach einer anfänglichen Welle der Solidarität, geschieht. Aber sie verweist auch prägnant auf die Kommerzialisierung des Krieges als weiteres heißes Thema in der Kunstwelt – mit ihrem unstillbaren Hunger nach leicht lesbaren, geglätteten Artefakten.

Zhanna Kadyrova (1981, Brovary, Ukraine) arbeitet mit einer Vielzahl von Medien wie Skulptur, Fotografie, Video und Performance. Ihre Arbeiten sind oft ortsspezifisch und von den formbaren und symbolischen Eigenschaften städtischer Baumaterialien geprägt. Ihre Werke wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im Centre Pompidou und im Palais de Tokyo, Paris; Büro für kulturelle Übersetzungen, Leipzig; Kunstraum Innsbruck; Ludwig Museum, Budapest; Nationalen Kunstmuseum der Ukraine, Kyjiw; Museum für Moderne Kunst in Warschau und PinchukArtCentre, Kyjiw (2012, 2013), wo 2023 ihre erste große Retrospektive stattfindet. Bevor der russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann, lebte Kadyrova in Kyjiw.

Metall, Lack


In Auftrag gegeben von steirischer herbst ’22

Produziert von steirischer herbst ’22, Zhanna Kadyrova, KÖNIG GALERIE Berlin/Seoul/Vienna und Galleria Continua