Flaka Haliti

Whose Bones? (2022)

Die Skulptur von Flaka Haliti rekonstruiert das Skelett eines unbestimmbaren Tieres. Es könnte sich um ein gefährliches Raubtier handeln, einen Löwen, Tiger oder Panther, wie er in der Heraldik  verwendet wird, insbesondere im Wappen der Steiermark. Oder es könnte einfach das vergrößerte Skelett einer gewöhnlichen Katze sein, vielleicht einer schmutzigen, abgemagerten Straßenkatze, die in der Hierarchie der Lebewesen ganz unten steht. Die Art von Katze, die man vielleicht in den dürftigen Silhouetten von Flüchtlingen, Bettler:innen, armen Menschen, vor allem Frauen, sieht – jene, die man für nicht gefährlicher als streunende Hunde hält. Können wir die Knochen des edlen Tigers von denen der schmutzigen Katze unterscheiden?

Halitis Figur ist eine Chimäre, die Häuslichkeit und Gefahr, das Hohe und das Niedrige, die Kolonisierenden und die Kolonisierten vereint. Die Künstlerin kommentiert damit das Dazwischen als eine neue Form der Existenz, die für unsere Zeit entscheidend ist, in der Eigenschaften, die früher scheinbare Gegensätze auseinanderhielten, nicht mehr als absolut gelten. Eine weitere Ebene der Ambivalenz bildet der Schnee aus dem 3-D-Drucker, der die rätselhafte Katze bedeckt. Er simuliert, wie die Skulptur im Freien nach längerem Schneefall aussehen würde – ein mögliches Resultat von dramatischem Klimawandel.

Flaka Haliti (1982, Pristina, Kosovo) ist eine Künstlerin, die mit Mixed Media, Skulpturen und Rauminstallationen arbeitet und dabei einen dezidiert ortsspezifischen Ansatz verfolgt. Aneignung und Neuanordnung sind durchgehende Linien in ihrem Werk, das sich ständig mit der nebulösen Politik der Identitätskonstruktion auseinandersetzt. Sie hat ihre Arbeiten in Einzelausstellungen im MUMOK, Wien, und im Kunsthaus Hamburg sowie in Gruppenausstellungen unter anderem im Museum Ludwig, Köln, in der Kunsthalle Wien und in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, präsentiert.

Kunststoff, Modellschaum, Stahl, Aluminium


In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst ’22

Mit freundlicher Unterstützung von Deborah Schamoni