Gabriel Abrantes

Ornithes (Vögel, 2022)

Der Film von Gabriel Abrantes entstand nach dem Erdbeben, das Haiti 2010 verwüstete. Er hat die Form eines magisch-realistischen Reiseberichts mit Elementen einer Slapstickkomödie und folgt einem Regisseur, der mit Ortsansässigen eine originalgetreue Inszenierung von Aristophanes’ Die Vögel aufführen will.

Der Regisseur stellt sich vor, dass das Stück als Geschichte einer kolonialen Revolte gelesen werden könnte. In der gleißenden Sonne eines Dorfplatzes tragen die Schauspieler:innen die griechische Komödie im Original vor und tragen dabei Karnevalskostüme aus Pappmaschee, wie sie in Haiti oft genutzt werden, um Politiker:innen zu verspotten.

Die Haitianer:innen akzeptieren jedoch nicht die Prämisse des Regisseurs. Stattdessen erzählen und inszenieren sie magische und tragische Geschichten, die von der wirtschaftlichen Misere in einer deprimierenden postkolonialen Realität zu handeln scheinen. Nur sind diese vermeintlich authentischen Geschichten in Wirklichkeit Adaptionen von Erzählungen aus Tausendundeine Nacht, einer ursprünglich anonymen, mündlich überlieferten Textsammlung, die später für das europäische Publikum des 18. Jahrhunderts umformuliert wurde.

Abrantes liefert damit einen komischen Kommentar zu den Vorurteilen, die Künstler:innen mitbringen, wenn sie Orte besuchen, die sie nicht ausreichend kennen und deren Kontext komplexer ist, als sie begreifen.

Gabriel Abrantes (1984, North Carolina, USA) ist ein Künstler, dessen Werk sich auf Film und Malerei konzentriert. Viele seiner Filme beschäftigen sich mit postkolonialen, geschlechtsspezifischen und identitätsbezogenen Themen und spielen mit Absurdität, Folklore und Humor. Abrantes’ Filme wurden auf der Quinzaine des Réalisateurs und der Semaine de la Critique – Cannes, der Berlinale, dem Locarno Film Festival, der Biennale von Venedig und dem Toronto International Film Festival uraufgeführt. Seine Arbeiten wurden in der Whitechapel Gallery und der Tate Britain, London; dem Palais de Tokyo, Paris; dem MIT List Visual Arts Center, Boston; Kunst-Werke, Berlin und dem Serralves Museum, Porto, ausgestellt. Er nahm an der 32. Biennale von São Paulo, an der Gran Bienal Tropical 2016, Loíza, und an der Biennale de l’Image en Mouvement 2014, Genf, teil. Derzeit lebt und arbeitet er in Lissabon.

HD-Video-Transfer eines S16-mm-Films, 18′

Französisch/Patois mit englischen Untertiteln


Produziert von A Mutual Respect Productions
Mit Unterstützung von Guimarães Capital Europeia da Cultura