Yael Bartana

Chaim Hermann Steinschneider (2021)
Bühnen-Performance

In ihrer Bühnen-Performance und Live-Aufzeichnung für den steirischen herbst erweckt Yael Bartana die Geister und beunruhigenden Fantasien der österreichisch-jüdischen Geschichte zum Leben. Gemeinsam mit der Schauspielerin Susanne Sachsse beschwört Bartana in einer Séance den Geist des berühmten Hellsehers Erik Jan Hanussen, eine widersprüchliche und umstrittene Figur aus der Geschichte des Faschismus.

Hanussen, der als Chaim Hermann Steinschneider in eine jüdische Wiener Familie hineingeboren wurde, war ein Varieté-Darsteller, der im Berlin der Zwischenkriegszeit eine beispiellose Karriere erlebte. Seine Herkunft verbergend, gab er sich als dänischer Adliger aus und wurde schließlich zu einem Vertrauten der Nationalsozialisten während ihres Aufstiegs zur Macht. Er fand jedoch ein gewaltsames Ende, nachdem er den Reichstagsbrand von 1933 vorausgesagt hatte. Es wird vermutet, dass er ermordet wurde, nachdem seine Beschützer und Kunden seiner wahren Identität auf die Spur gekommen waren …

In Bartanas Stück wird Susanne Sachsse zu einem Medium, das Hanussen hilft, in unsere Zeit zurückzukehren. Es ist eine Gegenwart, in der die Nazis ein Maximum an Schaden angerichtet haben, aber auch eine, in der einige der zionistischen Träume des 20. Jahrhunderts wahr geworden sind, paradoxerweise mit der Unterstützung der heutigen Ultranationalisten und ehemaliger Antisemiten. In diesem Umfeld führt Hanussen eine seiner Lieblingsnummern vor – das Lesen von Gegenständen, aus denen er dunkle Geheimnisse und tragische Enden ableitet. Wie würde eine solche Lesung heute aussehen? Welche dystopischen und messianischen Visionen würde ein Hellseher und Meister der Fake News wie Hanussen aus Alltagsgegenständen, Antiquitäten, Souvenirs und ganz gewöhnlichen Dingen gewinnen?

Besucher:innen werden gebeten, sich für die Séance formell zu kleiden (im Stil der 1920er und 1930er-Jahre).


Bio
Yael Bartana (Israel, 1970) ist Künstlerin und Filmemacherin. In ihren Filmen, Installationen, Fotografien, inszenierten Performances und öffentlichen Denkmälern untersucht sie Themen wie nationale Identität, Trauma und Entwurzelung, oft durch Zeremonien, Gedenkstätten, öffentliche Rituale und kollektive Versammlungen. Ihre Arbeiten wurden weltweit ausgestellt und sind in den Sammlungen vieler Museen vertreten, darunter das Museum of Modern Art, New York, die Tate Modern, London, und das Centre Pompidou, Paris. Derzeit lebt und arbeitet sie in Berlin und Amsterdam.

2.10., 3.10., 19:00

Orpheum
Orpheumgasse 8
8020 Graz
♿ Zugänglich für Rollstühle

Google Maps

In deutscher Sprache

16/12 Euro

→  Tickets


2.10., 21:00–22:10​
→  Eat and Greet


In Auftrag gegeben und produziert von steirischer herbst ’21

Mit großzügiger Unterstützung des Mondriaan Fonds
Mit freundlicher Unterstützung von Artis