steirischer herbst ’19: Grand Hotel Abyss
19.9.–13.10.19
Eröffnungstage: 19.–22.9.19
Zahlreiche Veranstaltungsorte in Graz und in der Steiermark, Österreich

Das Kernprogramm des steirischen herbst ’19 trägt den Titel Grand Hotel Abyss – Grand Hotel Abgrund. Mit diesem eindrücklichen Bild hat der Philosoph Georg Lukács die Haltung europäischer Intellektueller und Kulturschaffender angesichts des aufkommenden Faschismus beschrieben. „Das Grand Hotel ‚Abgrund‘“, schrieb Lukács in einem unveröffentlichten Manuskript gleichen Namens von 1933, „ist für jeden Geschmack, für jede Richtung vorsorglich eingerichtet. Jede Form der intellektuellen Berauschung, aber zugleich auch jede Form der Askese, der Selbstpeinigung ist gleicherweise gestattet; und nicht nur gestattet, sondern es gibt glänzend ausgerüstete Bars für jenes und vortrefflich hergestellte Turngeräte und Folterkammern für dieses Bedürfnis. Und nicht nur für Einsamkeit, sondern auch für Geselligkeit jeder Art wird gesorgt. […] Der Totentanz der Weltanschauungen, der sich alltäglich und allabendlich in diesem Hotel abspielt, wird für seine Einwohner zu einer angenehmen und aufregenden Jazz-Band, bei der sie Erholung nach ihrer anstrengenden Tageskur finden.“

Dieses Hotel ist bis heute in Betrieb, wenngleich es nicht mehr nur Intellektuelle verwöhnt. Kulturtourist*innen, Geschäftsreisende und Hipster sind hier ebenso jederzeit willkommen. Es gibt nicht nur ein allgemeines ästhetisches Interesse an und sogar eine Sehnsucht nach konservativen Verhältnissen, sondern auch nach dem Hedonismus der frühen Dreißigerjahre in der Luft. Während dysfunktionales Durchregieren Politik und Gesellschaft zerrüttet und neue Furcht vor Katastrophen nährt, wird für die Privilegierten das Leben unablässig noch bequemer und noch vergnüglicher gestaltet. Deutliches Anzeichen dafür sind die vielen kulinarischen und kulturellen Komfortzonen, die sich überall auf der Welt wie Blasen bilden – und Graz ist eine davon. Besonders, wenn sie als „Genusshauptstadt“ der „Genussregion“ Steiermark verpackt wird.

Von einer ausgelagerten und unsichtbaren Unterschicht wird hier ein Lebensstil geprägt von Vergnügen und Wellness ermöglicht, bei dem die Grenze zwischen Arbeit und Spiel fließend ist. Genau das Verschwimmen von Arbeit und Spiel im Urlaub führte auch zum Niedergang von Österreichs Regierungskoalition im Frühjahr 2019.

Dieser Hintergrund des Genusses und der politischen Krise ist Ausgangspunkt für das Kernprogramm des diesjährigen steirischen herbst. Grand Hotel Abyss lädt ein zu fortgesetztem und weiter ausholendem Nachdenken über den Hedonismus in diesen turbulenten Zeiten und führt uns damit über Lukács‘ Metapher hinaus. In Auseinandersetzung mit der historischen und historistischen Architektur der Stadt fragen wir, was es heißt, inmitten der Grandeur und des Charmes alter Zeiten ein Festival der zeitgenössischen Kunst zu veranstalten. Welche finsteren Erinnerungen noch aus der Zeit der Kolonialreiche enthält eine Architektur, die später auch eine makellose Kulisse für den Kalten Krieg abgab (der angeblich auch wieder da ist)? Nach dem Zweiten Weltkrieg war Graz Hauptquartier der britischen Besatzungskräfte und voller tatsächlicher wie ausgedachter Spione. In derselben Zeit kam auch eine „sanfte Macht“ der Kulturpolitik wieder zu Ehren, deren konkrete und mythische Nachwirkungen ein weiteres Thema des Festivals sind. Diese Politik äußerte sich auch in einem Wiederankurbeln des Fremdenverkehrs und Kurbetriebs. Zugleich entstanden aus den Ruinen des Krieges mit der Landwirtschaft und Nahrungsmittelherstellung in der uns heute bekannten Form die Grundlagen der zeitgenössischen Glückseligkeitsindustrie.

Getrieben von dieser Industrie drängt auch die emsige Arbeit an sich selbst über die früheren Grenzen hinaus und durchbricht die monotonen, fabrikartigen Rhythmen von Urlaub, Mahlzeiten oder Sex. Dazu kann sie auf ausgeklügelte neue Angebote zugreifen und verbirgt sich dabei möglicherweise hinter einer Wirklichkeit – oder verherrlicht diese sogar –, in der Prostitution und Ausbeutung allgegenwärtig sind. In solchen Lebenswelten verschärft sich die Spaltung zwischen Haben und Nichthaben, die ebenfalls ein wiederkehrendes Thema des Programms bildet. Insbesondere vom Hochsitz des Privilegs aus gesehen regt diese Kluft nicht selten apokalyptische Fantasien an. Und so befassen sich etliche Beiträge zu dieser Ausgabe des steirischen herbst auch mit apokalyptischen Vorstellungswelten, und zwar nicht nur als Spiegel dystopischer Tendenzen in der Gegenwart, sondern auch als Ort für Hoffnung und Erneuerung.


Intendantin und Chefkuratorin: Ekaterina Degot
Konzept: Ekaterina Degot und David Riff
Kuratorisches Team: Mirela Baciak, Ekaterina Degot, Henriette Gallus, Dominik Müller, Christoph Platz und David Riff

Teilnehmende Künstler*innen
Grand Hotel Abyss

Ariel Efraim Ashbel and friends
Alexander Brener und Barbara Schurz
Cibelle Cavalli Bastos
Jasmina Cibic
Keti Chukhrov / Guram Matskhonashvili
Gegenpositionen (Eduard Freudmann, Thomas Geiger, Marlene Haring, Elizabeth Ward)
Jeremy Deller
Bojan Djordjev / Goran Ferčec
Elmgreen & Dragset
Ian Hamilton Finlay
Jule Flierl
Giorgi Gago Gagoshidze
Riccardo Giacconi
Grupa Ee
Jakob Lena Knebl und Markus Pires Mata
The Life and Adventures of GL
Daniel Mann und Eitan Efrat
Oscar Murillo
Erna Ómarsdóttir & Valdimar Jóhannsson
Boris Ondreička
Manuel Pelmuș
Michael Portnoy
Blanka Rádóczy / Vladimir Sorokin
Hanna Rohn
Andreas Siekmann
Nedko Solakov
Andrei Stadnikov mit Vanya Bowden, Shifra Kazhdan und Dmitry Vlasik
Theater im Bahnhof
Michiel Vandevelde
Gernot Wieland
Jaśmina Wójcik
Zorka Wollny
Artur Żmijewski

Mehr über die teilnehmenden Künstler*innen

Programmvorschau
Grand Hotel Abyss

Der steirischer herbst präsentiert fast ausschließlich neue Auftragsarbeiten und eigene Produktionen. Das Festival startet am 19. September 2019 um 17:00 mit einer abendfüllenden Extravaganza voller Überraschungen. Die Veranstaltung beginnt im Landhaushof mit einer Polit-Oper von Zorka Wollny und zieht dann in ein prunkvolles Ballsaal-Interieur des Congress Graz. Cibele Cavalli Bastos, brasilianische*r Sänger*in und Künstler*in und der verführerische Avatar Sonja Khalekallon laden dort in eine immersive Installation. Begleitet wird dies von tableaux vivants der in Wien lebenden Künstlerin Jakob Lena Knebl (in Zusammenarbeit mit dem Musiker Markus Pires Mata) und der Grazer Performance-Künstlerin und Sexualpädagogin Hanna Rohn. Die Extravaganza entfaltet sich weiter mit Interventionen der Berliner Experimentalvokalistin und Tänzerin Jule Flierl, des Choreografen Manuel Pelmuş und der verstörenden globalen Nomaden Alexander Brener und Barbara Schurz, während das Künstlerduo Elmgreen & Dragset einen ironischen Beitrag zu Österreichs Konfiserie-Landschaft leistet. Den Höhepunkt des Abends bilden schließlich eine Lecture Performance von Gernot Wieland über Österreich und seine Genusskultur und eine spielerisch-apokalyptische Performance, die von dem außergewöhnlichen isländischen Duo Erna Ómarsdóttir & Valdimar Jóhannsson choreografiert wird.

Der steirische herbst ’19 berührt mit Installationsprojekten an verschiedenen Standorten zahlreiche historische Kontexte und deckt verschüttete Konflikte auf. Eine Installation im Palais Attems – dem ehemaligen Hauptquartier der britischen Besatzungstruppen, in dem sich heute das Büro des Festivals befindet – kommentiert die grandiose Verfallsästhetik der Gegenreformation, unter anderem mit Beiträgen des in Kolumbien geborenen, international renommierten Künstlers Oscar Murillo – nominiert für den diesjährigen Turner Prize – und des georgischen Filmemachers Giorgi Gago Gagoshidze.

Eine Ausstellung im Grazer Künstlerhaus – Halle für Kunst und Medien umfasst neue Filme von Jasmina Cibic und Jeremy Deller sowie Arbeiten des 2006 verstorbenen britischen Künstlers Ian Hamilton Finlay. Mit dieser Zusammenstellung spekuliert das kuratorische Team über den Einfluss der britischen Besatzung Österreichs auf die kulturpolitische Entwicklung des Landes, und damit verbunden auch auf Entstehung und Baustil des Künstlerhauses selbst. Auch Nedko Solakovgeht mit seinen Interventionen in verschiedenen Hotellobbys der Stadt auf den Kalten Krieg und seine Spionagegeschichten ein.

Riccardo Giacconi betrachtet in seiner recherchebasierten Installation und Performance die abgründige „Option“, bei der die Südtiroler*innen Anfang der 1940-er Jahre zwischen zweierlei Faschismen wählen konnten. Eine kuratorische Fantasie im Literaturhaus Graz über Georg Lukács, dem Erfinder der Metapher des Grand Hotels am Abgrund, und die Zeit, in der er lebte, beschäftigt sich ebenso mit der Thematik von Thomas Manns Zauberberg wie eine neue Filminstallation von Daniel Mann und Eitan Efratim Forum Stadtpark. Diese geht geheimen Geschichten der NS-Zeit über den therapeutischen Einsatz von radioaktivem Gas nach. Andreas Siekmann, prominenter Vertreter künstlerisch-aktivistischer Interventionen, die den Aufstieg der Rechten thematisieren, kehrt nach seiner Präsenz in früheren Festivalausgaben des steirischen herbst mit einem Remake von Albrecht Dürers nicht realisierter Siegessäule Denkmal für die besiegten Bauern nach Graz zurück. Artur Żmijewski, derzeit einer der international bekanntesten Künstler Polens, sucht einen Ort, an dem er sich vor den aktuellen politischen Katastrophen in seinem und anderen Ländern verstecken kann, während eine neue monumentale Videoarbeit des New Yorker Künstlers und Stand-up-Comedian Michael Portnoy mit ironischem Optimismus zeigt, wie man in der Zukunft besseren Sex haben könnte. Nach Portnoys unvergesslichem Auftritt beim steirischen herbst ’18 (Touching on Everything), setzt das diesjährige Festival die künstlerische Zusammenarbeit mit ihm fort.

Mit einer speziellen Arbeit der Künstlerin Jaśmina Wójcik für Puch bei Weiz zieht der steirische herbst auch wieder in die Steiermark hinaus. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Festival STUBENrein in Murau, das an verschiedenen Standorten in der Steiermark auch das Vermittlungsteam des Festivals mit seinem Büro der Offenen Fragen beherbergen wird. In Köflach findet ebenfalls eine künstlerische Performance mit Diskussion statt. Diese ist Teil von Gegenpositionen, eine Reihe performativer und installativer Interventionen rund um politische Denkmäler in Graz und der Steiermark, die gemeinsam mit dem Verein CLIO und dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark entwickelt wird. Sie umfasst Projekte von Eduard Freudmann, Thomas Geiger, Marlene Haring und Elizabeth Ward.

Das Programm wird durch neue performative Auftragsarbeiten abgerundet: Der georgische Regisseur Guram Matskhonashvili inszeniert das jüngste Stück der in London lebenden georgischen Autorin und Philosophin Keti Chukrov, eine bissige Satire auf den vermeintlichen Internationalismus der heutigen Kunsttheorie, in der die Stars der exotischen Disziplin der Postprostitutionswissenschaften bei einem Kongress in einer georgischen Kleinstadt zusammentreffen (Orpheum Graz, 20.9., 21.9.). Das Grazer Theater im Bahnhof lädt das Publikum ein, zusammen mit dessen Schauspieler*innen an einem Spiel teilzunehmen, in dem versucht wird, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen (Markthalle Eggenberg, 21.9., 25.9., 28.9. und 2.10., 5.10, 9.10, 12.10.). Der Choreograf, Theaterregisseur und Kurator Michiel Vandevelde führt im diesjährigen Festival seine Auseinandersetzung mit Nâzım Hikmets Human Landscapes fort. In seiner Adaption des zweiten Bandes, in dem der türkische Dichter den Luxus der Reichen thematisiert, stellt er den Stimmen der Privilegierten einen Chor gegenüber, der die Massen repräsentiert (Großer Minoritensaal, 21.9., 22.9., 23.9.). Der Regisseur Bojan Djordjev und der Schriftsteller Goran Ferčec entwerfen für eine Luxussuite im Grazer Grand Hôtel Wiesler eine alternative utopische Geschichte Jugoslawiens (27.9., 28.9., 29.9.) und Ariel Efraim Ashbel and friends lassen sich von Coppolas Apocalypse Now inspirieren, um in einer Synthese aus Theater, bildender Kunst und Livemusik freudig nichts Geringeres als das Ende der Zivilisation zu thematisieren (Orpheum Graz, 28.9., 29.9.). Auch der russische Schriftsteller Vladimir Sorokin imaginiert in seinem neuen Roman eine postapokalyptische Welt, in der Bücher rares Material sind und Köche über ihren brennenden Seiten üppige Mahlzeiten zubereiten. Die Regisseurin Blanka Rádóczy inszeniert einen Monolog, der die Abenteuer eines dieser kulinarischen Abenteuer schildert (Museum für Geschichte, 9.10., 11.10., 12.10., in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Graz). Nahrungsmittel und ihre Politik sind auch das Thema einer szenischen Textmontage des Moskauer Regisseurs Andrei Stadnikov und seiner Kollaborateure, die das performative Programm des Festivals beschließt (Maria Verkündigungskirche in Kroisbach, 11.10., 12.10.).

Veranstaltungsorte
Grand Hotel Abyss

Congress Graz
Sparkassenplatz 1, 8010 Graz

Forum Stadtpark
Stadtpark 1, 8010 Graz

Großer Minoritensaal
Mariahilferplatz 3, 8020 Graz

Giradigasse 8
8010 Graz

Grand Hotel Wiesler
Grieskai 4-8, 8020 Graz

Grazer Kunstverein
Burggasse 4, 8010 Graz

Helmut List Halle
Waagner-Biro-Straße 98a, 8020 Graz

Hotel Mariahilf
Mariahilferstraße 9, 8020 Graz

Hotel Weitzer
Grieskai 12-14, 8020 Graz

Künstlerhaus, Halle für Kunst und Medien
Burgring 2, 8010 Graz

Kunsthaus Graz
Lendkai 1, 8020 Graz

Landhaushof
Grazer Landhaus, Herrengasse 16, 8010 Graz

Literaturhaus Graz
Elisabethstraße 30, 8010 Graz

Maria Verkündigungskirche
Kroisbach, Am Rehgrund 2, 8043 Graz

Markthalle Eggenberg
Hofbauerplatz Ecke Krausgasse, 8020 Graz

Museum für Geschichte
Prunkraum 207
Sackstraße 16, 8010 Graz

Orpheum Graz
Orpheumgasse 8, 8020 Graz

Palais Attems
Sackstrasse 17, 8010 Graz

Palais-Hotel Erzherzog Johann Graz
Sackstraße 3, 8010 Graz

Schlossberghotel – Das Kunsthotel
Kaiser-Franz-Josef-Kai 30, 8010 Graz

Schloss Eggenberg
Eggenberger Allee 90, 8020 Graz

Ideen

Wie immer umfasst der steirische herbst auch in diesem Jahr Gespräche mit bedeutenden internationalen Autor*innen und Wissenschaftler*innen, die zu unseren Themenschwerpunkten forschen und schreiben. Seit 2018 nennt sich dieser Teil des Programms Ideen.

2019 begrüßt Graz mit der Soziologin und Anthropologin Eva Illouz eine berühmte Theoretikerin des zeitgenössischen Kapitalismus der Gefühle. Illouz hält eine Grundsatzrede zur Glückseligkeit, dem Thema ihres demnächst erscheinenden Werks.

Im Forum Stadtpark berichtet der Tourismus- und Alkoholkonsum-Forscher Hasso Spode in Auseinandersetzung mit einer Installation zur Radontherapie und Biopolitik der Wellness vom Aufkommen der Tourismusindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg und von ihren späteren Wandlungen.

Im Künstlerhaus, Halle für Kunst und Medien spricht der Architekturanthropologe Michal Murawski im Dialog mit mehreren Arbeiten zu dem zähen Gerücht, das Haus sei ein Geschenk der Briten gewesen, über Politik und Wirkung von Kulturgeschenken in Warschau und anderswo während des Kalten Krieges. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen politischen Verwerfungen und Brexit-artigen Strömungen richtet der Autor und Künstler Evan Calder Williams einen überblickshaften Blick auf unsere Welt als real existierende Apokalypse.

In der Helmut List Halle spekulieren die Performancekünstlerinnen und Sextherapeutinnen Annie Sprinkle und Beth Stephens, wie wir in Zukunft besseren Sex haben könnten. Außerdem berichten die beiden von ihren ökosexuellen Abenteuern.

In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus analysiert das Symposium Weltmaschine Österreich Literatur und Philosophie dieses Landes als Stätten produktiven Größenwahns. Zu den Gestalten, mit denen es sich befasst, gehört der ungarische marxistische Philosoph Georg Lukács. Anekdoten und Legenden rund um sein Leben sind Gegenstand einer eigenen künstlerisch-kuratorischen Installation. Außerdem gibt es Tagesreisen zur Wiener Wohnung der eigenwilligen Avantgarde-Schriftstellerin Marianne Fritz und in die Südsteiermark zu der vom Atomium inspirierten Art brut-Weltmaschine des Bauern Franz Gsellmann aus Edelsbach.

Zwei politisch und gesellschaftlich hoch brisante Debatten werden als Teil des von CLIO und Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark kuratierten Projekts Gegenpositionen geführt: In der öffentlichen Diskussion geht es um Denkmäler in Graz, um die umstrittene „Befreiung" von den alliierten Besatzungsmächten 1955 und ihre Nachwirkungen bis zum heutigen Tag sowie um Grazer Straßennamen zu Ehren historischer Persönlichkeiten, die mit dem Nazi-Regime verbunden waren.

Das Programm endet mit einer abschließenden Debatte zum Thema La Grande Bouffe, Homéopathique. Sie wird kuratiert von Michael Zinganel und befasst sich aus kritisch-anthropologischer und homöopathischer Sicht mit den globalen wie lokalen Fixierungen auf kulinarische Lüste.

Das komplette Programm zu Ideen erscheint Mitte August 2019.

Büro der Offenen Fragen

Das Büro der Offenen Fragen öffnet wieder seine Tore! Alle Neugierigen und Interessierten sind herzlich eingeladen, sich dem vielfältigen Programm des steirischen herbst ’19 fragend anzunähern. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Um dem Ausstellungsparcours Grand Hotel Abyss entlang anregender Diskussionen zu folgen, bieten wir drei geführte Tourenformate an: Bei Im Fokus nehmen wir jeweils für eine Stunde eine künstlerische Position unter die Lupe und erforschen diese im Gespräch mit Expert*innen. Die Allianzen erkunden mehrere Orte des Ausstellungsparcours – oft auch im Austausch mit Kunstschaffenden oder Mitgliedern des kuratorischen Teams. Allen Liebhaber*innen beeindruckender Panoramablicke bieten die Landschaften in einem achtstündigen Wandertag eine Übersicht über den gesamten Parcours – einschließlich gemeinsamer Jausen und Verschnaufpausen.

Schulklassen, die ausgewählte künstlerische Arbeiten auf spielerische Weise ergründen möchten, empfehlen wir unsere Escape Tour Spy and Escape – Rein ins Hotel und Raus aus der Bubble durch die Grazer Innenstadt. Und für alle Schulen außerhalb von Graz gibt es zwei ganz besondere Angebote: Die beliebte Reihe Festivalfilme auf Steiermarktour macht Station in allen steirischen Dieselkinos. Die Installation Schulausflug, die im Rahmen der letzten Festivalausgabe von Michael Hieslmair und Michael Zinganel entwickelt und für den steirischen herbst ’19 erweitert wurde, ist als Wanderausstellung mit Workshop buchbar.

Noch immer nicht genug? Dann nehmen Sie doch unser Quartett Edition Grand Hotel Abyss mit nach Hause. Gewinnen werden Sie dabei gewiss.

Kontakt Büro der Offenen Fragen
Elke Murlasits, Markus Boxler und Isabel Toccafondi
education [​at​] steirischerherbst.at
m +43 664 24 500 89