Francesca Grilli erhält Werner-Fenz-Stipendium für Kunst im öffentlichen Raum 2026

Die Fassade eines Hauses. Auf dem Dach liegt eine junge Frau.

Foto: Liliana Simões

Zum zweiten Mal vergeben der steirische herbst und die Stadt Graz gemeinsam das Werner-Fenz-Stipendium für Kunst im öffentlichen Raum. Das mit 17.000 Euro dotierte Stipendium beinhaltet die Umsetzung einer künstlerischen Arbeit während des steirischen herbst und geht heuer an Francesca Grilli. Die 1978 in Bologna geborene und in Brüssel lebende Künstlerin konnte die Jury mit ihrer Performance Record als stärkste aus 269 Einreichungen überzeugen.

Das Werner-Fenz-Stipendium richtet sich an nationale und internationale Projekte, die sich mit dem sozialpolitischen Kontext von Graz auseinandersetzen, und fördert Kunst, von der entscheidende Impulse für den öffentlichen Raum und den gesellschaftlichen Wandel ausgehen. Es trägt dazu bei, lokale Aspekte künstlerisch zu reflektieren und in breiter Öffentlichkeit Diskurse zu initiieren.

Die Jury – bestehend aus Andreas Fogarasi (Künstler), Katrina Petter (Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich), Werner Reiterer (Künstler), Nils van Beek (Kurator für Kunst im öffentlichen Raum), und Pieternel Vermoortel (Senior Kuratorin beim steirischen herbst) – entschied sich einstimmig für das Projekt von Grilli.  

Die heurige Stipendiatin Francesca Grilli ist dankbar, mit der Realisierung ihrer Arbeit im steirischen herbst ’26 beauftragt worden zu sein, und erklärt:

„Im Kontext der Forderung nach ständiger Sichtbarkeit und Produktivität untersucht Record das politische Potenzial von Rückzug und Unsichtbarkeit. Inspiriert von der Figur des Hikikomori – Menschen, die sich durch Isolation gesellschaftlichen Erwartungen verweigern – denkt das Projekt den Rückzug nicht als Passivität, sondern als eine Form des Widerstands neu. Durch eine ortsspezifische chorische Performance mit jungen Teilnehmenden reflektiert es soziale Isolation und begreift Rückzug als eine fragile, aber zugleich kraftvolle Weise, öffentlichen Raum zu bewohnen. Die Arbeit steht in Resonanz mit der Geschichte unabhängiger Kulturpraktiken in Graz sowie mit ihren aktuellen Veränderungen im Bereich Wohnen und dem Prekariat junger Menschen.“

Zu Francesca Grilli

Francesca Grilli (1978, Bologna, Italien) ist eine Künstlerin, die eine multidisziplinäre Sprache verwendet und sich auf Performances, Videos und Installationen konzentriert. Sie hat an zahlreichen Performance-Festivals teilgenommen und ihre Arbeiten wurden in einer Vielzahl von Solo- und Gruppenausstellungen in internationalen Museen und Institutionen gezeigt, darunter: Nasjonalmuseet, Oslo (2022), Baltic Circle, Helsinki (2020), Mladi Levi Festival, Ljubjana (2020), Kaunas Biennal (2019), SAAL Biennaal, Tallinn (2019), Santarcangelo Festival (2019–17), Palais De Tokyo, Paris (2017), Biennale von Venedig (2013), MADRE, Neapel (2011), MACRO, Rom (2012), Serpentine Galleries, London (2009), MAMbo, Bologna (2010), und Manifesta 7, Bozen (2008). Grilli lebt in Brüssel.

Zum Werner-Fenz-Stipendium für Kunst im öffentlichen Raum

Vom Kulturreferat der Stadt Graz 2020 auf Initiative von über 200 Kunstschaffenden, Kurator:innen, Journalist:innen und anderen Mitgliedern des Kunstbetriebs eingerichtet, würdigt das Stipendium die Verdienste des Kunsthistorikers und Kurators Werner Fenz (1944–2016) um die Kunst im öffentlichen Raum, die im steirischen herbst eine lange Tradition hat. Vorige Gewinner:innen waren Hannes Zebedin (2022) und Clara Ianni (2024).