herbst-Akadmie 2014


Im Rahmen der herbst-Akademie 2014 bietet der steirische herbst wieder vier neue Workshops an – heuer von und mit dem kanadisch-österreichischen Research-Kollektiv Urban Subjects, der amerikanischen Theatergruppe Nature Theater of Oklahoma, die mit ihrem großangelegten Projekt „Life and Times“ für Aufsehen in der Theaterwelt sorgt, dem amerikanischen Künstler Francis Cape und Alexander Tuchaček, Mitbegründer der Mediengruppe Knowbotic Research.

Künstlerinnen und Künstler, Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Studierende sind eingeladen, das Phänomen Teilen als Imperativ unserer Zeit zu untersuchen und über im herbst gezeigte künstlerische Arbeiten zu reflektieren bzw. wie im Falle des Workshops von Nature Theater of Oklahoma sogar Teil eines künstlerischen Projektes zu werden. Die vier Workshops werden rund um die diesjährige herbst-Konferenz „Akademie der Asozialität“ angesiedelt sein (Sa 11/10 & So 12/10).

Die Workshops bieten Platz für jeweils ca. 15 Personen. Die Kosten betragen 130 EUR, Unterkunft und Verpflegung ist inkludiert.

Anmeldeschluss ist der 31/07/2014.

Anmeldeformular

Informationen für alle Workshops bei:
steirischer herbst / Barbara Thaler
t +43 664 24 500 81
f +43 316 823 007 77
academy@steirischerherbst.at

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Workshop 1
Urban Subjects (AT/CA)
Researching the Militant Image

Do 09/10 & Fr 10/10
In englischer Sprache

Von Urban Subjects (AT/CA) (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber) & Gäste

Wie lässt sich die Rolle von Bildern als Moment der Teilhabe an Formen der Militanz heute denken? Massenmedien und Kunst strotzen vor Bildern des Protests und Aufstands. Doch ein Bild von Militanz ist nicht zwangsläufig ein militantes Bild. So wie Militanz selbst eine soziale Beziehung darstellt, die stets geteilt werden muss, um entfesselt werden zu können, müssen auch militante Bilder Repräsentation und Politik, Gemeinschaft und Handlung affektiv kurzschließen. Der Workshop des kanadisch-österreichischen Research-Kollektivs Urban Subjects, Co-Kurator der Camera Austria-Ausstellung „The Militant Image“, diskutiert künstlerische Beiträge, Texte, Filme sowie deren diskursive Grundlagen. In der Debatte mit weiteren Gästen werden die verzweigten Spuren militanter Forschung, postkolonialer Filmproduktion und aktuelle Debatten um poor images und migrant images verhandelt.

Urban Subjects
is a cultural research collective formed in 2004 by Sabine Bitter, Jeff Derksen, and Helmut Weber, and based in Vancouver, Canada and Vienna, Austria. Together they devise research-driven artistic projects that are visual and textual– exhibitions, publications, curatorial work and presentations.
http://www.lot.at/Urban_Subjects_US


Workshop 2
Nature Theater of Oklahoma (US)
Life and Times, Episodes 9 & 10. Come and Dance!

Mi 08/10, Do 09/10 & Fr 10/10
In englischer Sprache

Von Nature Theater of Oklahoma (US)

Seit sieben Jahren arbeitet Nature Theater of Oklahoma an dem großangelegten Projekt „Life and Times“. Ausgehend von aufgezeichneten Telefongesprächen wurde das Leben von Kristin Worrall, selbst Mitglied der New Yorker Gruppe, in so unterschiedlichen Genres wie Musical, Thriller oder Orgelkonzert im Originalwortlaut auf die Bühne gebracht. Im Rahmen des Workshops werde die letzten Folgen dieses ambitionierten Projektes produziert – als Musikvideo in Graz. Es geht um Liebe, Gelegenheitsjobs und was einen sonst noch so umtreibt im Alter von 30 Jahren. Bei „Come and Dance!“ wird gearbeitet und produziert – Lebenszeit, Schweiß und Gedanken im Zuge kreativer Praxis geteilt. Die Teilnehmer werden zu tanzenden, singenden oder sprechenden Akteuren des filmischen Epilogs zu „Life and Times“, der 2015 in Graz gezeigt wird.

Die New Yorker Off-Off-Off-Broadwaytruppe Nature Theater of Oklahoma wurde von Pavol Liska und Kelly Copper 2006 gegründet. Seit ihren ersten choreografischen Projekten hat sich Nature Theater of Oklahoma dem Unbekannten und Unvertrauten verschrieben. Sie bringen sich selbst in fremde Situation und arbeiten aus dieser selbst zugefügten Ignoranz und Erschwernis heraus. Sie erschaffen verstörende Live-Situationen die von allen Anwesenden totale Präsenz einfordern, benutzen fertiges Material das sie umgibt – gefundene Räume, überhörte Gespräche, beobachtete Gesten – und erreichen durch extreme formale Manipulation und übermenschliche Anstrengung eine neue Wahrnehmung unseres Alltags.
http://www.oktheater.org


Workshop 3
Francis Cape (GB/US)
Utopische Gemeinschaften. Verweigerung, Teilhabe und anarchistische Praxis

Mo 13/10 & Di 14/10
In englischer Sprache

Von Francis Cape (GB/US)

Die Welt wird uns präsentiert, als seien Individualismus und Materialismus die einzig möglichen Orientierungssysteme und repräsentative Demokratie die einzige Möglichkeit, einen Staat politisch zu organisieren. Dabei gibt es Gemeinschaften, die diesen Systemen die Teilnahme verweigern, um in selbstbestimmten Kollektiven umfassende Formen des Teilens und der Teilhabe zu praktizieren. Francis Cape hat sich in seinem „Utopian Benches“-Projekt ausführlich mit solchen Gemeinden und ihrer Geschichte in Europa und Amerika beschäftigt. Mit Blick auf religiöse Bewegungen des 18. Jahrhunderts, den Anthropologen David Graeber, zapatistische Dörfer, aber auch die Freiwillige Feuerwehr erforscht der Workshop jene Gemeinschaften, die sich explizit auch als Gütergemeinschaften definieren – und wie wir anarchistische und kommunistische Praktiken im täglichen Leben realisieren können.

Francis Cape graduated at Goldsmiths College, London and moved to New York City in 1993. Following a decade or so of architectural interventions that addressed the inseparability of art from its context, he turned to work that confronts issues outside the studio/gallery circuit. One body of work explored the connection between what we saw of our society after Katrina hit New Orleans and what he sees in his own community in upstate New York. More recently "Utopian Benches" dwelt on the tradition of American communalism, and on values other than those promoted in the mainstream.
http://www.franciscape.com


Workshop 4
Alexander Tuchaček (AT/CH)
Teilhabe, Teilen, Geteilt-Werden: Codes und Scripts des Ambivalenten

Mo 13/10 & Di 14/10
In englischer Sprache

Von Alexander Tuchaček (AT/CH)

Digitalen Medien ist das Versprechen auf Selbstermächtigung und Beteiligung eingeschrieben. Nicht erst seit den Enthüllungen Edward Snowdens stellt sich das Teilen dabei als etwas Ambivalentes dar: Soziale Netzwerke haben Möglichkeiten von demokratischer Öffentlichkeit und zugleich größter Überwachung geschaffen. Dieser Zwischenraum zwischen Teilen und Geteilt-Werden, in dem Privates erst durch Öffentliches erzeugt wird, steht im Zentrum des Workshops. Alexander Tuchaček, Mitbegründer der Mediengruppe Knowbotic Research, schlägt eine mediale Gesprächsanlage vor, in der dezentrale Formen von Beteiligung und Entzug geprobt werden. Diskursiv und performativ geht es ums Ganze: Wer teilt mit wem? Wer bestimmt die Regeln, was wann wie geteilt wird? Gibt es Scripts für das Nicht-Codierte? Kann durch Teilen auch Beteiligung oder Teilhabe entstehen?

Alexander Tuchacek arbeitet mit Ton, natürlicher Sprache, Stimmen, Computercodes und Text. Oftmals erzeugt er Möglichkeitsräume, uneindeutige Konfigurationen menschlicher Interaktionen, die sich durch ein übersteigertes Referenzsystem auszeichnen.
Der Künstler, Mediengruppe Knowbotic Research, lebt in Zürich und hat eine Professur an der Zürcher Hochschule der Künste.
http://tuchacek.net

wukonig.com